Meine Deutschstunde

22 februari 2016 in Sprachschnitzer

Am letzten Samstag war es dann soweit. Allen Spaß bei Seite: es war meine erste Deutschstunde, hier in den Niederlanden.
Niederländisch habe ich mit Hilfe eines Kurses von PBNA und Singles gelernt. Geholfen haben auch Kinderbücher, so wie Pinkeltje, und das Lesen von Zeitungen, Zeitschriftartikel und allem Möglichem. Da ging es ums Lernen einer Fremdsprache.
Meine Muttersprache habe ich gelernt…. ja wie? Einfach zu Hause, auf der Schule natürlich und beim Spielen mit Freunden. Es ging einfach so, fast automatisch. So viel wie möglich ohne Dialekt. Das fanden meine Eltern nicht so gut. Sie sprachen es selber nicht. Sie kamen aus Niedersachsen, Osnabrück und Nähe Bremen. Ihrer Meinung nach hätte es mir auch nicht weiter geholfen.
Dann emigrierte ich, sprach und spreche jeden Tage die Fremdsprache, weniger die Muttersprache und im Laufe von über 30 Jahren merkte ich, dass die Muttersprache hintenan hängt. Ich merkte es im dem Moment, wo ich als Dozentin meinen deutschen Studenten Feedback geben musste. Einfache Umgangssprache mit den deutschen Freunden beim Wandern, am Stammtisch oder sonstigen Treffen geht noch, obwohl mir da auch mal Wörter fehlen. Oder ich ‚falsche Freunde‘ benutzen.
Kurzum, ein Aufruf von Mirjam, um teilzunehmen an einem ihrer Konversationsstunden hat mich ans Denken gesetzt. Als Perfektionist ärgert es mich, dass ich meine eigene Muttersprache ‚verloren‘ habe. Ich habe mich angemeldet. Der Kurs fand in Utrecht am letzten Samstagmorgen statt.
Es war schon lustig. Wir waren zu viert: drei Holländer und ich als Deutsche. Eine der Holländerinnen hatte lange Zeit in Österreich und München gewohnt. Wenn man richtig zuhörte, hörte man den bayerischen Dialekt. Dazu benutzte sie süddeutsche Wörter, wie zum Beispiel ‚Jänner‘.
Geübt haben wir mit Hilfe eines Ratespieles, Gesprächsstoff-Spielkarten und dem Integrationsspiel ‚Könnten Sie Deutsche(r) werden? Ich hatte mit Mirjam vereinbart, dass sie mich, wenn es eben ging, verbesserte. So lernte ich, dass man ‚ich sitze schon 36 Jahr in Holland‘ nicht sagt sondern ‚ich wohne….‘. Da übersetze ich doch wörtlich?!? Zudem weiß ich jetzt wieder, dass die Dame an der Kasse eine Kassiererin ist und dass eine Zecke beißt und nicht sticht. Kortom: es hat mir geholfen mich mal intensiver mit meiner Muttersprache zu beschäftigen. Nebenher habe ich noch nette Leute kennengelernt!
Apropos: Muttersprache. Gestern war der Tag der Muttersprache, ausgerufen von der UNESCO zur ‚Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit‘ und dies vor dem Hintergrund, dass gut die Hälfte aller Sprachen vorm Aussterben bedroht ist. Das gilt vielleicht nicht für die deutsche Sprache. Obwohl das Interesse für die deutsche Sprache an Schulen und Universitäten abnimmt. Schade!
Mirjam, ich komme gerne ein zweites Mal. Wer Lust kann natürlich gerne mitkommen.

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1 Dirk Oldenburg 6 maart 2016 at 3:55 PM

Hallo Sabine, es ist eine sehr sensible Frage: wie verlaesslich ist die Muttersprache? Und wie schmerzlich ist die Erfahrung, dass sie uns nicht immer treu bleibt. Gerade mir, der ich so auf Worte fuehle, wird ganz mulmig bei dem Gedanken, dass mein geliebtes Deutsch ueber die Jahre hin abschmelzen soll, wie die Gletscher in den Hochgebirgen. Vor einigen Jahren, mein deutscher Akzent war noch harsch hoerbar (ich weigerte mich sehr lange alle Worte im Gaumen zu gurgeln), sprach mich eine Frau auf der Strasse an und erzaehlte mir, dass sie schon einige Jahrzehnte in Amsterdam wohne und ihr Deutsch beinahe voellig vergessen habe. Wie kann man sich nur so unbedacht einer Muttersprach-Demenz hingeben, dachte ich damals. Spaeter hoerte ich Hans Keilson*, ein in den dreissiger Jahren aus Deutschland gefluechteter Schriftsteller und Psychologe (er wurde sage und schreibe 101 Jahre alt), bei einer auf youtube dokumentierten Ansprache in etwa sagen, ‘…ich habe mein Deutsch nicht vergessen…’. Auch da wunderte ich mich gehoerig, sollte es denn jemals moeglich sein, dass Muttersprache so rudimentaer ausduennt? Inzwischen, nach nur 6 Jahren Amsterdam, kann ich es mir sehr gut vorstellen. Darum, seit ich merkte, dass mein Deutsch etwas zu nuscheln beginnt und ich fingerschnippsend ‘hier, na Dingsbums’ sage fuer etwas verwehte und somit nicht prompt verfuegbare Worte, bin ich mein eigener Deutschlehrer geworden. Ausser den niederlaendischen Tageszeitungen lese ich nur noch deutschsprachige Literatur. Weihnachten habe ich mir in Berlin bei Dussmann etliche Hoerspiele gekauft. ‘Die Buddenbrooks’, ‘Der Schimmelreiter’ aber auch modernere Literaturbearbeitungen. Es ist das reinste Vergnuegen. Und mir scheint, seit ich wieder aktiv Deutsch hoere ist mein Niederlaendisch und Englisch sogar sauberer und korrekter geworden. Es ist schwierig eine Fremdsprache zu lernen aber es ist auch schwierig, Muttersprache nicht zu verlernen.

*Hans Keilson: Komoedie in Moll. Ein bei einem jungen Ehepaar untergetauchter Jude stirbt ploetzlich und unerwartet. Wohin mit der Leiche?

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2 Claudia van der Velpen 11 maart 2016 at 2:36 PM

Hallo Dirk. ich danke dir für deinen Comments. Mich rührt es wie du die ‘Dinge’ sagst: ’so auf Worte fühle’, Muttersprach-Demenz, rudimentäir’. Das ist es genau, was mich so schmerzt. Deutsche Bücher lesend, wie zum Beispiel im Augenblick ‘Ungeduld des Herzens’ von Stefan Zweig, spüre ich immer wieder wie schön und vielfältig die deutsche Sprache ist. Ist das der Grund, dass das Thema der diesjährige Bücherwoche ‘Deutschland’ ist. Keine Ahnung.
Danke dir für den Tipp der Hörspiele, die meine tägliche Autofahrt nach Nimwegen verschönen könnten. Ich gucke mal bei Amazon.
Es sind ja nicht nur die Wörter und die Geläufigkeit, die einem fehlen sondern auch die Aussprache. Diese Woche habe ich zusammen mit einem Holländer eine Unterrichtsstunde gestaltet. Da merkte ich, dass ich das Harsche meiner Muttersprache, wie du es nennst, verlernt habe. Der Niederländer probierte den deutschen Studenten mit Hilfe einer Parodie zu erklären, wie es sich anhören würde, wenn er deutlich artikuliertes Deutsch sprechen würde. Schon lustig, aber auch traurig. Es klinkt wirklich eckig und hart. Das ist mir in der Heimat nie so aufgefallen. Tja, wieder was zum Nachdenken.

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3 Dirk Oldenburg 12 maart 2016 at 6:01 PM

Liebe Claudia, ganz eben und ganz schnell: wenn ich Hoerbuecher auf meinen iPod ueberspielt habe, sind die Cd’s fuer mich sozusagen ueberfluessig geworden. Meistens verschenke ich sie dann, weil ich gern moechte, dass auch andere diese hoeren koennen. Gern wuerde ich Dir ‘Die Buddenbrooks’ zukommen lassen. Eine Hoerspielproduktion aus dem Jahre 1965 u.a mit Lil Dagover (ein UFA-Star aus der Stummfilmaera) und Gert Westphal. Leider habe ich andere hervorragende Hoerspielbuecher sowie Bulgakow : ‘Der Meister und Margarita” und (von mir sehr verehrt) Franz Fuehmann: ‘Prometheus’ schon verschenkt. Darum als Tipp, wenn Du Dir die taegliche Fahrt nach Nimwegen und zurueck versuessen moechtest, besorg Dir eins von den o.g. beiden. Ich habe unendlich viel ueber das deutsch-niederlaendische Literaturverhaeltnis zu sagen. Meine Erfahrungen mit deutscher Aufarbeitungsliteratur gegenueber der von mir so empfundenen niederlaendischen Schweigeliteratur. Aber das werde ich noch huebsch und plausibel sortieren. Bis dahin, beste Gruesse Dirk

4 Trijntje 12 maart 2016 at 11:50 AM

Wat grappig dat je vindt dat je je moedertaal beter kunt leren spreken.

Mij valt op, als ik je blog vergelijk met die van Buurtaal, dat ik op een of andere manier het verschil proef tussen iemand met Nederlands als moedertaal, en met Duits als moedertaal.

Mijn eigen Duits is niet goed genoeg om me daarin schriftelijk actief te uiten. Als ik in Duitsland ben spreek ik het wel, maar ik hoor mezelf stamelen en broddelen. Gelukkig word ik wel begrepen.

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5 Claudia van der Velpen 14 maart 2016 at 9:37 PM

Hallo Trijntje, danke dir für deinen Comment. Du schreibst, dass du Unterschiede siehst zwischen jemanden der Deutsch als Muttersprache hat und jemanden dessen Muttersprache die holländische Sprache ist. Da werde ich neugierig. Könntest du mir den Unterschied angeben?

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6 Trijntje 16 maart 2016 at 10:51 PM

Dat vind ik niet eenvoudig om uit te leggen.
Daarom had ik het ook over verschil proeven.
Een ding kan ik er wel over zeggen: bij deze blog moet ik soms iets vaker een zin lezen voordat ik hem goed begrijp.
Bij Buurtaal heb ik dat bijna nooit. Dus misschien is het Duits van Buurtaal toch iets meer verwant met mijn Nederlands dan het Duits dat ik hier aantref. Waarmee ik niet wil zeggen, totaal niet, dat het Duits van Buurtaal niet volledig Duits is.
Met Nederlanders die Engels schrijven heb ik dat soms wel, dat het Nederlands doorklinkt in hun Engels; dat is bij Buurtaal niet het geval, het is niet dat er Nederlands doorklinkt in haar Duits, het is subtieler dan dat.

7 Claudia van der Velpen 14 maart 2016 at 9:44 PM

Dirk, danke dir für deine schnelle und doch auch wieder ausführliche Nachricht. Die beiden von dir genannten Bücher/Hörspiele kenne ich überhaupt nicht. Ist wohl eine Bildungslücke! Buddenbrooks war Pflichtliteratur in der Oberstufe. Durchgekaut bis zum Erbrechen und nie mehr angeguckt. Jetzt, so im nachhinein, finde ich es toll. Um mir die Buddenbrooks noch mehr ins Gemüt zu führen haben wir (mein niederländische Mann und ich) Lübeck besucht und sind wir in die ‘voetstappen gestapt’. Ich hätte Interesse in das Hörbuch. Bis dahin.

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8 Claudia van der Velpen 18 maart 2016 at 3:45 PM

‘Proeven’ kann man nicht erklären. Das empfinde ich genauso. Gestern sprach ich mit einem Holländer, der in Deutschland wohnt und wirklich gut Deutsch spricht. Während des Gespräches fühlte ich, glaube ich, dass was du meintest. Es klinkt anders. Danke dir für deinen Comment.

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9 Dirk Oldenburg 20 maart 2016 at 6:18 PM

Hallo Claudia (Sabine), ich werde Dir allebeide Hoerspiele schicken. Deine Adresse ist doch im Impressum angegeben. Auch wir mussten in der Schule den ‘Schimmelreiter’ nebst Novellentheorie und antikapitalistischer Agitation durchkauen bis nichts mehr davon uebrig blieb. Es war das boese Abschlachten jeglicher literarischer Ambitionen. Aber siehe, gute Literatur ist unverwuestlich und kann geduldig warten, bis man sie neu entdeckt.

Hinsichtlich des oben und unten besprochenen Themas, moechte ich aus meiner Erfahrung gern beitragen, dass die deutsche soals die niederlaendische Syntax, also der Satzaufbau, mitunter weit auseinander gehen. Z.B. kann man im Niederlaendischen Verben aneinanderreihen, was im Deutschen kaum moeglich ist. ‘ik zou niet willen blijven zitten kijken’ – ‘ich wuerde nicht sitzen bleiben wollen, um zu schauen’…. Dann das kleine universelle Wort ‘maar’, das aber, jedoch, mal, nur… bedeuten kann, wird von Niederlaendern gern etwas vereinfacht eingestreut ‘laat ons maar naar huis gaan’ ist dann ‘lass uns aber nach Hause gehen’. Tja und manchmal schimmert die jeweilige Muttersprache wie ein Wasserzeichen durch. Und das wiederrum finde ich so charmant.

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10 Claudia van der Velpen 21 maart 2016 at 10:01 AM

@Dirk, Ich bedanke mich für die Hoerspiele und die versteckte Deutschstunde.

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11 Dirk Oldenburg 28 maart 2016 at 11:35 AM

Hallo Sabine, nach langem reiflichen Nachdenken ueber die niederlaendische Literatur , wieder angeschubst durch die Buecherwoche, habe ich folgende Gedanken entwickelt. Verschiedene Dinge fielen mir von Anfang an auf: z.B. dass man hier der deutschen Sprache mit einer Art Unbehagen begegnet. Gleichzeitig aber auch grosse Bewunderung fuer sie hegt.
Mir fiel auf, dass niederlaendische Buecher und Zeitungen oft einen sehr literarischer Stil verwenden, weit weg vom allgemeinen Sprachgebrauch. Ebenso fiel mir auf, dass man, um eben in diesem gehobenen Stil schreiben zu koennen, sehr oft und gern in den deutschen Wortschatz greift. Auf gut Niederlaendisch: men is schatplichtig aan de Duitse taal. Im NRC kann man sehr gut die Neigung zum Gebrauch ’schoener’ Germanismen beobachten. Manchmal spotte ich ein wenig darueber, wie der Bildungsbuerger Deutsch als eine Art hardcore-Latein einsetzt, um sein Bildungsniveau zu unterstreichen.
Das sind verschiedene Beobachtungen, die lange wie ein kleiner Wels in meinem deutsch-niederlaendischem Sprachbewusstsein gruendelden. Mir scheint, dass sich das Niederlaendisch in einer Art Uebergang befindet, was hier und da sprachlich-stilistische Luftloecher verursacht. Z.B. werden Sustantive nur noch in de-Woerter und het-Woerter unterschieden, wobei unter dem Dach der de-Woerter urspruenglich auch noch maennliche und weibliche Substantive unterschieden wurden, die im informellen Austausch kaum noch gebraucht bzw. angewendet werden. In einem 2010 gekauftem Van Dale wird schon nicht mehr hinter dem Substantiv vermerkt, ob es sich um ein v (vrouwelijk) oder m (mannelijk) handelt. Kaum ein Niederlaender weiss, ob ‘de kast’ maennlich oder weiblich ist. Im taeglichen Sprachgebrauch ist das verzeihlich und zu verschmerzen. Dann sagt man eben salopp, “kijk’s ik heb een kast gekocht”. Niemals wuerde jemand sagen ‘ik heb een nieuwe kast gekocht, wil je haar even zien?’ Niederlaender kommen vorzueglich ohne die Bezugnahme auf das grammatikalische Geschlecht aus. Zur Not, wenn sie sich dann doch einmal in eine kompliziertere Satzstellung verrennen, werden de-Woerter kurzerhand als ‘ie relativiert. “Zet ‘ie maar daar neer” oder “Hoe gaat ‘ie?” Literarische Texte und Zeitungasartikel beziehen sich dagegen noch immer sehr gern auf das gram. Geschlecht. Saetze werden dadurch eleganter und fliessender. Manchmal, wenn ich einen Text lese, frage ich mich im Stillen, wie oft ist der Schreiber waehrend des Verfassens aufgestanden, um in einem alten Van Dale nachzublaettern, ob es nun der oder die Mantel ist. Z.B ‘Ze leegde haar mantel boven op om hem desnoods het eerst te kunnen pakken’. Lange Zeit unterstellte ich den Niederlaendern, dass sie das Diminutiv nur deshalb so exzessiv gebrauchen, um Zweifel und Verstrickungen dieser Art zu umgehen. ‘Ze leegde haar manteltje boven op om het ….’. Inzwischen bin ich eher geneigt anzunehmen, und das nur nebenbei erwaehnt, dass das Niederlaendische Diminutiv eine erzprotestantische Weise ist, Sinnenlust und -beduerfnis als klein, bescheiden und unbedeutend erscheinen zu lassen. Dann hat man vor sich und seinem strengen Gott weniger abzurechnen. Ein pilsje ist von der Idee her viel kleiner, genuegsamer und beinahe wunschlos, auch wird es im bayerischen 2 Liter-Humpen serviert.
Ich sehe schon, ich triffte wieder ab, darum belasse ich es fuer heute und verschiebe mein eigentliches Anliegen, naemlich die niederlaendische Literatur auf ein naechstes Mal. Beste Gruesse, Dirk

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