Was die DDR noch zu sagen hat!

1 april 2016 in Die dumme Geschichte, In Kontakt mit Deutschen in Holland

Am letzten Sonntag der Boekenweek bin ich , zusammen mit meinem niederländischen Mann, mit dem Zug nach Amsterdam zur OBA (openbare bibliotheek Amsterdam) gefahren. Gratis en voor niets. Fahrkarte war das boekenweekgeschenk von Esther Gerritsen. Da ich ein Buch in der Bücherwoche gekauft hatte, bekam ich dieses als Geschenk. Das andere Buch hatte ich mir von einer Freundin geliehen. Eigentlich musste man es sichtbar bei sich tragen, zum Beispiel lesend im Zuge. Das wurde uns erst am Ende der Fahrt deutlich gemacht. Wir hatten es die ganze Zeit in unserem Rucksack mitgeführt und hatten uns unterwegs am Amsterdam Rijnkanaal und der niederländische Landschaft erfreut. Und natürlich von Amsterdam selber.
Angekommen in Amsterdam sind wir zu Fuß weitergelaufen. Das Gebäude der OBA war schon ein Erlebnis. Toll gebaut, mit vielen Sitzecken und Schlupfwinkel zum Lesen und Rumhängen; ganz zu schweigen von den vielen Büchern, CD und DVD; mit 28.000 m² die größte niederländische Bibliotheek. Uns ging es um die Vorlesung auf der 7. Etage mit tollem Ausblick auf die Innenstadt von Amsterdam. Kurz vorher noch schnell bei ‚La Place‘ was getrunken en dann ab ins Theater.
Felix Rottenberg führte uns durchs Programm. Unterschiedliche Aspekte rundum der DDR wurden besprochen. So zum Beispiel: In wieweit hat das Ende der DDR und die deutsche Wiedervereinigung die deutsche und die europäische Realität beeinflusst?; Welche Produkte und Kulturausdruckformen haben die DDR überlebt? Und inwieweit beinflussen die Stasidokumente die heutige deutsche Gesellschaft?. Und das alles mit Hilfe von Interviews. Es war sehr interessant, das sehr sicher. Mit wenig Vorkenntnissen, so wie bei mir, manchmal schwer nachvollziehbar. Ich habe halt nichts woran ich diese Kenntnisse verknüpfen kann. Es war alles neu. Ich sah Nachbarn vor und hinter mir den Kopf knicken oder mhhh’n. Ah, ah, die haben es miterlebt, dachte ich mir immer. Oder verstehen es zumindest. Tja, wieder mal eine Bildungslücke aufgedeckt. Oder aber positiv gesehen, wieder was wo man mal nachhaken kann. Literatur gibt es ja genug.
Schoen war auch die Pausenfüllung von ‚Kunst und Kitsch’ begleitet von Friso de Zeeuw, dem Direktor des DDR-Museums in Monnickendam. DDR-Strumpfhosen, hergestellt in der DDR, exportiert nach Deutschland der Devisen wegen und im Westpäckchen in die DDR geschickt. Der Kreislauf mancher Produkte der DDR! Ganz zu schweigen von dem Überraschungseiern.
Zum Anschluss gab es Musik von der combo ‚Die Trabis‘ . Einer Band aus Monnickendam, die deutsche Lieder spielten. Und natürlich im Foyer ein ‚borrel‘ im Stil der DDR. Im Klartext Rotkäppchensekt mit Brezeln zum Knappern. Und genügend Zeit zum Netwerken und Sprechen mit Bekannten aus meiner LinkedIn Gruppe!

4 reacties | laat een reactie achter ↓

1 Oliver 21 april 2016 at 7:23 PM

Das ist klasse, ich hätte nie gedacht, dass es in NL ein DDR-Museum gibt. Ich habe sehr lange im Osten gewohnt und kenne einiges an Ostalgie, auch das DDR-Museum in Berlin. Aber dass es bis in den weiten Westen überschwappt. Schön zu lesen! Und ja, die alten DDR-Lieder, auch die kenne ich, obwohl ich ein (Niederlande-begeisterter) Wessie bin.
Danke für den Bericht!

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2 Claudia Sabine van der Velpen 28 april 2016 at 2:24 PM

Hallo Oliver, ich werde es mir mal ansehen.

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3 Astrid Pleij 26 oktober 2016 at 8:34 PM

Hallo Frau van der Velpen,

leider ist nicht immer alles so rosig hier in Holland. Damit beziehe ich mich auf das Deutsch/Niederländische Verhältnis. Ich bin seit über 20 Jahren mit meinem niederl. Mann verheiratet und wir betreiben eine “Cafetaria”in dem Heimatdorf meines Mannes. Zu Zeiten des Krieges waren hier Deutsche Soldaten stationiert und es wurden hier einige Erschiessungen durchgeführt. Eigentlich haben ich das immer als “Geschichte” gesehen und mich nicht weiter damit befasst. Bis mein Sohn, der heute 9 Jahre alt ist, hier als 6 Jähriger eingeschult wurde. Schon auf dem Spielplatz wurde er sehr beleidigt und diskrimiert aufgrund seiner deutschen Herkunft. In der Schule ging es weiter obwohl ich hier einen Riegel davor schieben konnte. Leider gibt es immer noch niederl. Kinder die abwertende Bemerkungen machen. Gott sei Dank, hat er auch 2 nette Freunde gefunden.
Es ist für uns erschreckend, dass es 70 Jahre nach Kriegsende immer noch so stark anwesend ist. Hätte ich die Wahl, würde ich wieder nach Deutschland zurück ziehen.
Mit freundlichem Gruss, Astrid Pleij
Mit freundlichen Gr

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4 Claudia Sabine van der Velpen 27 januari 2017 at 2:52 PM

Hallo Astrid,

Solch eine Situation tut mir immer leid. Ich denke dann immer: wieso kann man nicht respektvoll miteinander umgehen. In den meisten Fällen hat es oft nichts mit der Nationalität oder Religion des anderen zu tun. Es sind halt Quälgeister, die werden alles jeden andersartigen ‘pesten’. Es ist nur schade, dass so was nicht enden will. Sind es nicht die Deutschen, dann sind es die Flüchtlinge, die Katholieken, die Juden, oder wer auch immer. Vielleicht ein schwacher Trost. Trotz allem viel Spass in den Niederlanden.
Haben Sie diesen Artikel auch gelesen? http://www.deutscherin.nl/2016/04/29/auslander-heimatvertriebene-emigrant-asylant/

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