Das Preisgeben meiner Schuldgefühle: wie fühle ich mich als Deutsche am 4.5?

7 mei 2017 in Die dumme Geschichte, In Kontakt mit Deutschen in Deutschland

Ich glaube, ich würde mich eher als schüchtern umschreiben, halte mich mehr im Hintergrund, Gefühle äußere ich bei guten Freunden oder selbstverständlich unter Familienmitgliedern. Obwohl, manche auch nicht. Mein großes Geheimnis, mein innerster Kern, betrifft mein Gefühl der Kollektivscham. Anfang Mai ist dieses Schuldgefühl grösser.
Dodenherdenking‘ (Volkstrauertag) ist ein niederländischer Gedenktag, der jährlich am 4. Mai begangen wird wobei allen niederländischen Kriegsopfer oder Gestorbenen seit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gedenkt wird. Um 20 Uhr wird unter anderem zwei Minuten geschwiegen. Neben der nationalen Gedenkfeier beim Nationalmonument auf dem Dam in Amsterdam werden auch von lokalen Komitees Gedenkfeier organisiert. Tags drauf feiern die Niederlande ‚Bevrijdingsdag‘, die Befreiung der deutschen Besatzung.
Am Anlauf wird mir schon immer mulmig, habe ich das Gefühl mich verkriechen zu müssen und kann wieder aufatmen, wenn der 8.Mai im Anzug ist, der Geburtstag meines Mannes.
So ab und an tausche ich mich mit deutschen, ebenfalls in Holland wohnende, Freunden aus. Es geht denen fast ebenso. Jung oder Alt, aufgewachsen in Westdeutschland. Jeder hat so seinen Dreh gefunden, um diese Tage ‚hinter‘ sich zu bringen.
Mein erstes öffentliches Auftreten war die Radiosendung vor sieben Jahren. Das Aussprechen, auch wenn es vorm Radio war, hat mir sicherlich geholfen. Es ist aber noch immer Bestandteil meines Jahresrhythmus.
Ende April empfing ich Mail von der NOS, der Rundfunkanstalt innerhalb des Publieke Omroep, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Niederlande, mit der Frage, teilzunehmen an einer Serie Porträts mit dem Thema: Wie ergeht es dir am 4. Mai? Es sollten 8 Personen interviewt werden, ein jeder aus seiner Perspektive: eine Jüdin dritter Generation, einer Dame aus Suriname, ein Pastor, der eine alternative Feier organisiert hat, zwei Blumenmädchen, die zusammen mit einem Großeltern teil Kränze legen beim Nationalmonument und der Junge, der das Gedicht vorliest.
Ich habe anfangs begeistert meine Mitarbeit zugesagt. Ich fand es toll, dass verschiedene Perspektiven belichtet werden. Zusammen mit den Redakteuren haben wir die Fragen besprochen. Im Nachhinein merkte ich, dass ich in dem Moment, wie schon öfter, meine Gefühle runtergeschaltet habe. Ich fand die Reihe toll und wollte einfach mitwirken. Wieviel anders fühlte ich mich am Tage selber. Angespannt fuhr ich nach Hilversum und wurde von einer Visagistin geschminkt. Dann gibt es ab ins Studio. Auch da erging es mir noch gut. Jeder war begeistert von meinem Antworten. Dazu muss ich sagen, dass es junge Niederländer waren, so Anfang Zwanzig, die sich noch nie richtig mit dem Thema beschäftigt haben. Schon gar nicht mit dem Deutschen. Nach dem Interview fühlte ich mich leer. Ich hatte alles gesagt, was ich sagen wollte. Man war begeistert. Selbst so begeistert, dass mein Interview als Vorprogramm am Tage vor dem 4. Mai publiziert wurde. Ich wurde ängstlich. Was hatte ich gesagt? Würde ich keinem schaden? Habe ich nicht mich zu sehr bloß gestellt. Man beruhigte mich. Es wäre toll und ich würde vielen helfen. Ich habe zugesagt. Es hat vor allen Dingen mir selber geholfen. Ein großer Teil meines Ballastes ist weg.
Die Interviews sind auf Niederländisch. Ich würde mich freuen, wenn ich euch diese angeguckt und Kommentar geben würdet.
Interview vom 3.5 und das vom 4.5
Ich habe viele Reaktionen empfangen. Von Niederländern und Deutschen, von Studenten und Dozenten, von Bekannten und Unbekannten. Es tat mir gut. Die Feierlichkeiten konnte ich mir frank und frei anschauen.

9 reacties | laat een reactie achter ↓

1 Laila 8 mei 2017 at 5:12 PM

Ik heb het interview ook gezien! Mooi dat het ook jezelf geholpen heeft.

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2 Ilse Reijgwart 12 mei 2017 at 2:48 PM

Mooi en puur intervieuw. Hoog tijd dat NL eens kennismaakt met het algemene schuldgevoel van Duitsers van de generatie na de oorlog. Ik hoorde hierover voor het eerst toen ik in de jaren tachtig in Duitsland woonde. Dit schuldgevoel heeft mij altijd enorm verbaasd. Degenen die na de oorlog geboren zijn, hebben part noch deel gehad aan wat er gebeurd is…. Maar nog meer verbaast mij dat veel (de meeste?) Nederlanders dit niet lijken te weten…. Niet die van mijn generatie, en al helemaal niet de generatie na ons. En zo wordt er met Duitsers en het oorlogsverleden nog steeds vaak keihard omgegaan… alle clichés die we kennen worden ruimschoots geuit, en enige nuance is vaak ver te zoeken.

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3 diete oudesluijs 14 mei 2017 at 8:31 PM

Als Duitse(r) kan je best heel trots voelen op het verzet in Duitsland gedurende de hele oorlog (er zijn veel mensen omgekomen), misschien zelfs als je (groot)ouders naar NL maatschaven aan de verkeerde kant stonden – het komt er maar net op aan, wat ze daadwerkelijk hebben gedaan. Maar verder zijn er ook een aantal Duitsers, soms deserteurs, die in NL aan het verzet hebben meegedaan, zoals Ulrich Rehorst (ereveld Rusthof, Amersfoort). Jammer dat dit niet meer bekend is, ook niet bij de Nederlanders!
https://duitsverzet.wordpress.com/

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4 Claudia Sabine van der Velpen 15 mei 2017 at 9:35 AM

Danke dir Diete. Ich habe denEindruck, dass du deinem Herzen Lucht gemacht hast und die Sache unheimlich wichtig für dich ist. Um ehrlich zu sein, ich habe es nicht gewusst. Tut mir leid für diese geflügelten Worte, die oft in einem ganz anderem Kontext benutzt werden. Wat ik ermee wil zeggen is het volgende: wij/ik weten nog zo ontzettend weinig. Und zum Teil wird es auch so bleiben. Meine Eltern leben nicht mehr. Ich werde nie dahinter kommen, wem sie ‘folgten’ und schon gar nicht aus welchen Gründen.
Vielleicht an dieser Stelle noch einen Nachschlag. Mein Interview ‘maakt iets los’. Auch bei meinen Freunden. Gestern liefen mein Mann und ich mit festen Freunden ein ‘klompenpad’ in der Betuwe. In den dreissiger Jahren wurden Kinder von deutschen Dienstmädchen und niederländischen Vätern von niederländischen Familien adoptiert. Der Kontakt zu deren Mütter wurde ‘afgekapt’. Erst nach vielen vielen Jahren, im Greisenalter, traute man sich diese, seine, Geschichte zu erzählen.

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5 Oliver Hübner 21 juni 2017 at 10:10 PM

Das ist in jedem Fall kein einfaches Thema. In Deutschland ist es immer möglich zu sagen, ich bin Nachkriegsgeneration und ich bin froh, dass Nazideutschland den Kreig verloren hat. Denn wir leben jetzt in einer bessern Welt, als wenn jenes Deutschland gewonnen hätte.
Im Ausland fühle ich auch oft die Kollektivschuld. Ich war 1994/95 auf einem Austauschjahr in Amsterdam, habe den “50. Mei” dort erlebt und es war sehr überwältigend. Es ist schlimm, wie Deutschland mit seinen Nachbarn umgegangen ist. Auch mit Menschen, die nicht ins System passten im eigen Land. Das dürfen wir nie vergessen und ich finde es richtig, als Deutsche/r eine Schuld zu fühlen.
Umso mehr freue ich mich, dass wir heute in einem vereinten Europa Freunde als Nachbarn haben und gemeinsam Zeichen setzen können gegen Intoleranz und rückständiges Gedankengut, sei es AfD oder PVV.
Das war ein mutiges Interview von Dir, klasse!

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6 Claudia Sabine van der Velpen 22 juni 2017 at 3:49 PM

Oliver. Danke für den Comment und das Kompliment. Es war sehr ‘bevrijdend’ darüber sprechen zu können. Ich habe viel Mails und Reaktionen empfangen. Zum Glück, die meisten positiv.

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7 Wim van Halm 23 augustus 2017 at 7:07 PM

Geweldig, waarom wist ik niet eerder?

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8 Claudia Sabine van der Velpen 25 augustus 2017 at 4:51 PM

Ja, hoezo wist je dit niet eerder? Dat is deel van van het geheel. Praat je over je schaamte of hou je je schaamtegevoel voor jezelf. Ik denk het laatste. Ik heb het toen in het interview verteld en wat er ontzettend blij mee dat ik het mocht vertellen. Het zat al het ware in de ijskast. Ik heb veel reacties ontvangen via allerlei media. Daar was ik dankbaar voor. In die zin is het voor mij afgerond. Desgevraagd wil ik er graag meer over vertellen. Dank, Wim, voor je comment

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9 Claudia Sabine van der Velpen 17 september 2017 at 6:55 PM

Ich erzählte in meinem Freundes- und Familienkreis von meinen weniger guten Erfahrungen als Deutsche in den Niederlanden. Wie enttäuscht und traurig war ich oder bin ich noch immer, dass mir jemand sagte, dass sie sich nicht ‘vorstellen’ könnte, dass man als Deutsche gemobt und geärgert wurde oder sogar ausgeschlossen wird.

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