Buchrezension ‘Der Trauerschnäpper’ Ufkes

28 February 2021 in .... herz,Lesefutter

Im letzten Jahr erhielt ich per Mail überraschend die Frage, ob ich ein Buch rezensieren möchte. Der Agenda-Verlag hatte meinen Blog gefunden und das Buch war gerade erschienen. Für die Titelgeschichte „Der Trauerschnäpper” hatte Tonko Ufkes 2019 den Freudenthal-Preis empfangen, den wichtigsten Deutschen Preis für Niedersächsische Literatur.

Es hat mich ungemein gefreut, da ich gerne Kurzgeschichten lese, sicherlich die im deutsch-niederländischen Kontext. Da ich gerade noch mit meiner Gesundheit kränkelte – Gehirnerschütterung und langsame Besserung – habe ich mir extra Zeit erbeten. Die bekam ich inklusiv das Rezensionsexemplar. Per Post kam ein kleines dünnes Buch.

Zum Inhalt bekam ich diese Informationen: Fünf Geschichten von Tonko Ufkes, in denen eine Hauptperson mit unerwarteten Ereignissen umgehen muss. Tapfer, erstaunt, sorgfältig und überraschend, doch auch immer lebensecht reagiert der Ich-Erzähler.

Die Sprache ist sparsam und lässt somit den Leser die Zwischenräume selbst füllen. Diese Erzählungen entstanden ursprünglich im Groninger Platt, wodurch eine eigenständige Atmosphäre fühlbar ist.

Da neue Bücher mich immer reizen, habe ich sofort mit Lesen angefangen. Kleine, kurze Geschichten, das müsste von der Konzentration her gehen. Das tat es auch. Der Inhalt selbst hat mich umgeworfen und vom Weiterlesen abgehalten. Ein paar Wochen später habe ich die niederländische Übersetzung gelesen. Jede Geschichte ist erst Deutsch und dann Niederländisch. Ich war einfach neugierig, ob die niederländische Version mich auch umhauen würde. Selbst merke ich an Übersetzungen, dass die Wortwahl, die Atmosphärebeschreibung und die Sätze nicht immer so stimmen. Man kann halt fühlen, dass es eine Übersetzung ist. Das ist bei diesem Buch absolut nicht der Fall. Einfach großartig. Kommt vielleicht durchs Groninger Platt.

Aber was hatte mich denn so umgeworfen? Ich habe ein paar niederländische Freunde gebeten mitzulesen und es dann gemeinsam zu besprechen.  Wir empfanden alle Fünf dasselbe: die empfundene Ratlosigkeit, die Schönheit der Beschreibungen über das, was nicht gesagt und beschrieben wird und aber gerade darum anregt zum Nachdenken, zum Einfühlen der eigenen Gefühle, passend bei der Lage, in der diese Frau sich nach eine Brustambutations befinden (wie würde ich es empfinden ohne Brust einem fremden Mann am Strand zu begegnen und diesen Fremden aufzufordern, seine für mich fremde Hand auf meine Narbe zu legen?). Die rhythmischen Bewegungen zwischen Mann und Frau und die Sensibilität, die fühlbar ist.  Das Einander verstehen ohne Worte, was ich selbst kenne in Kontakten mit ebenso sensiblen Personen wie ich selbst. Das natürliche Umgehen, mit dem was auch zum Menschenleben gehört wie halt eben Krankheit und Tod, hat mich wohl am meisten umgehauen. Wie schwierig empfand ich es – vor einem Jahr – um meine Situation nach der Gehirnerschűtterung zu akzeptieren und zu hoffen, dass meine Besserung mich zur ‚alten‘ bekannten Kondition zurückführen könnte. Das wusste ich in dem Augenblick nicht. Und manchmal habe ich mir den Tod herbeigewünscht. So, wie ich mich damals fühlte, wollte ich nicht weiterleben. Nicht mehr Sporten und nicht mehr Arbeiten passten nicht zu meinen Vorstellungen des Lebens. Die Hauptperson zeigt mir, wie anders man/ich damit umgehen könnte. Danke, Tonka und Hauptperson, zum Beispiel Marieke, für die Lektion des Lebens.

Ein lesenswertes Buch. Ein Buch, dasshilft. Ein Buch, das hilft im Verstehen einer Sprache. Die Beschreibung der Landschaft, zum Beispiel des Strandes und des Meeres, empfinde ich als Beschreibungen eines Bildes von Hoppe.

Danke, dass ich dieses Buch zugeschickt bekommen habe. Danke den mitlesenden Freunden. Ich empfehle es gerne weiter.

 

 

 

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