So fuhr ich dann an dem bewussten Tag mit angespannten Nerven, im Auto noch mal alles repetierend, nach Deutschland . Ich war wie immer zu früh. Dies habe ich mir im Laufe meines Lebens angewöhnt, da man ja nie wissen kann, wie es läuft. Ich war also zu früh und beschloss, mich schon mal zu melden und mich in dem Gebäude umzuschauen. Ich war die Letzte in der Reihe, mit denen man Gespräche führte, und wurde auf den Flur gesetzt. Ohne Kaffee oder Tee. Da saß ich dann und wartete. Letztendlich wurde ich aufgerufen und ging in das Sprechzimmer, wo ich wirklich von sechs Leuten empfangen wurde. Na ja, der Schreck war weniger groß, da ich dies ja erwartet hatte. Einer war Gesprächsleiter, stellte Fragen, ließ mich Fragen stellen……. und der Rest guckte zu, was ich wirklich als sehr unangenehm empfand. Ich merkte, dass ich irgendwie alle Leute ‚im Visier‘ behalten wollte, was sehr anstrengend war. Nach 20 Minuten war unser Gespräch fast zu Ende. Der Mitarbeiter der Personalabteilung nahm das Wort und klärte mich über mein Gehalt auf. Der Zeitpunkt machte mich sehr stutzig – dies ist doch unser 1e Gespräch(?) – aber noch mehr die Höhe/Tiefe des Gehaltes. Ich war total perplex, konnte mich gerade noch ‚fangen‘ und probierte einigermaßen freundlich zu erwidern, dass ich das Thema ‚Gehalt‘ zu diesem Zeitpunkt nicht erwartet hatte. Ich gab an, dass mich der Betrag schockierte. Deren Antwort war: ‚dann haben wir das schon mal ausgesprochen und wegen der Höhe ‚Sie haben ja noch nie bei einer Gemeinde gearbeitet?‘ ‘Stimmt, habe ich ja nicht. Ich habe in diesem Arbeitsbereich – das Begleiten und Coach und Motivieren – viel Erfahrung gesammelt, die ich hier einsetzen wollte‘. Der Gesprächsleiter beendet abrupt das Gespräch. Es sollte intern überlegt werden. Ich wurde verabschiedet und ging ‚demotiviert‘ nach draußen. Da ich dachte, dass dies ‚mein letzter Akt‘ in dieser Vorstellung war, entschloss ich mich noch einmal richtig ausgiebig Kuchen zu essen, von dem Städtchen zu genießen und deutsche Lebensmittel einzukaufen. Zu Hause erzählte ich, dass dieser Traum vorüber wäre. Es lief ja gleichzeitig eine Bewerbung in den Niederlanden. Am nächsten Tag klingelte das Telefon. Der Personalleiter rief mich an und erzählte mir, dass ich die ‚Stelle‘ bekäme. Ich war total perplex. ‚Und das nach meinem Auftreten?‘. Das Gehalt wurde um zwei Gehaltsstufen erhöht. Man war sich sicher, dass ich eine gute Kandidatin wäre, deren Erfahrungen man gut gebrauchen könnte. Ich war perplex. Bei mir war alles auf ‚nein‘ programmiert. Ein ‘ja’ hatte ich sowieso gar nicht erwartet.
Jetzt fing das Rechnen an. Gehaltsstufen, Netto/Brutto, Arbeiten als Niederländerin in Deutschland, keine Reisespesen und das für den langen Weg, Doppelbesteuerung, Krankenversicherung, Steueridentifikation. Mir wurde ganz schwindelig. Ich wollte doch nur in Deutschland meine Karriere beenden. Und dann die Arbeit selber. Ich sage immer zu meinen Coachees: Guck auch, fühle auch, ob dir die Atmosphäre gefällt, der ganzen Kontext etc. Deutsche in Holland wohnende Freundinnen, die eine vergleichsweise Erfahrungen hatten, haben mir bei dieser Entscheidung geholfen. Ich habe letztendlich abgesagt! Mit schwerem Herzen! Aber es fühlte sich nicht ok an. Und das tat weh. Ich wollte meine Erfahrungen und meine Ausbildung, mein ich, in Deutschland zu Nutzen machen. Und dieses Mal hat es nicht geklappt. Nach einigen Tagen Bauchweh kam ich zur Erkenntnis, dass ich meine Erfahrungen nicht bei einer Organisation einsetzen müsste sondern irgendwie als Berater oder Supervisor ‚overkoepelend‘ bei mehreren Organisationen. Also wer weiß. ‚Nu even niet‘.

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Es ist mein Traum und Wunsch, das was ich hier in den Niederlande gelernt habe und das was ich als Deutsche erlebt habe, umzusetzen als Vermittlerin zwischen diesen beiden Kulturen. Beschrieben habe ich es in einem Artikel ‚auf buurtaal blogZwischen Holland und Deutschland‘. Ich hatte damals um Tipps gebeten und diese auch erhalten. Und wie es dann oft bei mir läuft, entstehen neue Ideen und komme ich in Kontakt mit Menschen, die mir dabei helfen. Ich nenne sie immer meine Engel, die mir dann kurzfristig zur Seite stehen.
So auch in diesem Fall. Eine Bekannte erzählte mir von einem niederländischen Konzept, bei dem Arbeitslose, Hartz 4-Empfänger, in einer Gruppe mit Hilfe eines Jobcoachs zu Jobs oder anderen Perspektiven begleitet werden. Das war’s! Hier konnte ich meine Erfahrung einsetzen. Ich suchte den Kontakt und war sofort begeistert. In einer Grenzgemeinde war gerade eine Stelle ausgeschrieben.
Nach kurzem Überlegen mit mir selber und einer Bekannten [lees verder →]

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Sommerpause

17 augustus 2014
token by Claudia Sabinetoken by Claudia Sabine

Das Wetter zeigt es heute: der Sommer ist im Augenblick zu Ende. Wie auch immer: für mich fängt eine neue, interessante Periode an, die einer Dozentin an der Hochschule in Nimwegen. Und dies mit Hilfe des Finanzministers, der fand, dass Selbstständige als Dozentin in einem ‘oneigenlijk dienstverband’ zur Hochschule stehen. Wie auch immer, diese Massnahme [...]

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deutsche Sprache, schwierige Sprache

24 juni 2014

Es wird immer gesagt, dass Deutsch eine schwierige Sprache ist. Vielleicht. Man merkt es auf jeden Fall, wenn man es von Grund auf, von Kind auf gelernt hat. Selber geniesse ich die Sprache, deren Redewendungen und auch die schönen, fast metaforischen Wörter. Mirjam Hausmann von Taalkrachtig hatte vor kurzem ein ”wordle’ von den schönsten Deutschen [...]

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Mittsommernacht BBQ

17 juni 2014
made by Claudia van der Velpenmade by Claudia van der Velpen

Ideen gibt es viele. Und einige gute werden auch ausgeführt. So wie diese Idee, ein zentrales Mittsommernachtsfest der Deutschen Community in den Niederlanden mit BBQ, einigen Deutschen Weinen, Bieren und passender Musik zu organisieren. Der erste Sprung zu einem Datum klappte nicht, da ich an diesem Tage was anderes vorhatte. Michael war so lieb, um [...]

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Konfirmationszeit

4 juni 2014
foto by claudia sabinefoto by claudia sabine

Vor einiger Zeit sagte eine deutsche Freundin zu mir, dass sie sich an diesem Wochenende nicht verabreden könne, da sie zur Konfirmation ihres Paten nach Deutschland fahren müsse. Und anschließend sagte sie mir, ‚dass ich ein gutes Thema für dein Blog, da es in Holland die Konfirmation gar nicht gebe!‘ Antje, ich danke dir. Zum [...]

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Bauen in Deutschland und Niederlande

14 mei 2014

Wir ziehen um. Das heißt, die Abteilung Educatie der HAN in Nimwegen, zieht in ein neues Gebäude am Kapittelweg, auf dem HAN Campus. Der zweite Teil des Semesters fängt somit in einem anderen Gebäude an. Wie es dann so ist, alles ist neu und alles muss neu erprobt werden. Und was neu ist stiftet Unruhe. [...]

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Stadtführung durch Amsterdam

23 april 2014
by Birgit Schuchby Birgit Schuch

Am letzten Sonntag trafen sich einige Mitglieder der LinkedIn Gruppe DeutschNederlander zu einer Stadtführung durch Amsterdam. Renate Schmitz, ausgebildete Stadtführerin und Liebhaberin von Amsterdam, und ich hatten zu dieser Führung aufgerufen. Das Thema lautete ‘Amsterdam während der deutschen Besatzung’. Getroffen hatte sich die gemütliche Gruppe am Bahnhof Amsterdam-Zuid, wo schon gleich die Führung anfing, [...]

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Bußgeld als Zeichen der Ordnungswidrigkeit

8 april 2014
foto: SEBASfoto: SEBAS

Im Auto sitzend hörte ich diesen Bericht: „Rechtzeitig vor den Osterferien warnt der Schwesternverein des holländischen ANWB, der ADAC, die deutschen Urlauber vor den viel höheren Bußgeldern in Holland“. Ja, dachte ich schmunzelnd, dass stimmt. Nur habe ich es selber mal auf der anderen Seite der Grenze, also in Deutschland, mitgemacht. Es ist schon einige [...]

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Thomas Mann

31 maart 2014
fotoBIBfotoBIB

Irgendwie scheine ich eine Vorliebe für Thomas Mann zu haben. Was in der Oberstufe erzwungenermassen das Lesen der Buddenbrocks war, beim Leseclub hier in Holland zum Lesen des Zauberbergs führte, bringt mich heute Abend die Einladung der Deutschen Bibliothek in Den Haag zur Autorenlesung von Britta Böhler des ‘Der Brief des Zauberers’. Die Einladung lautet: [...]

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Met stomheid geslagen… Meine Galle schwappt über

10 maart 2014

Ich habe lange nachdenken müssen ob ich meinen Frust den Lesern meines Blogs mitteilen soll oder nicht. Das Thema ist nicht so einfach. Die Umstände sind nicht einfach. Es juckte aber.
Am letzten Dienstag musste meine Tochter, 18 Jahre alt, eine Präsentation halten. Die Note ist für ihr Abitur wichtig. Sie musste ein ‚profielwerkstuk‘ erstellen. [...]

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Krankenschein, Bescheinigung……

4 maart 2014

Krankmeldung, Abwesenheit. Wie schon gesagt/geschrieben, bin ich im Augenblick wieder Gastdozentin und unterrichte deutsche Studenten. Es macht Spass. Ich lerne aber auch wieder neue Kulturunterschiede kennen. So, zum Beispiel, wie man mit Abwesenheit umgeht. Laut ‚Handleiding‘ dürfen die Studenten während des Minors nicht fehlen; im äußersten Fall zwei Mal, dann aber begründet. Sowieso etwas, was [...]

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