Gläserner Mensch

14 april 2011 in In Kontakt mit Deutschen in Holland, Kopfbrecher

Vor ein paar Tagen habe ich in der LinkedIn Gruppe DeutschNederlanders ein Forum gestartet mit der Frage: ‚Integrationskurs für Deutsche in den Niederlanden’. Was muss ‚rein und was darf man absolut nicht vergessen.
Es kamen viele Reaktionen über bekannte Themen aber auch über ein mir unbekanntes Phänomen. Etwas was ich wohl schon mal gemerkt hatte aber daran weiter keine Bedeutung geschenkt hatte.
Diejenige nannte das Phänomen: Gläserne Menschen.
Derjenige meinte damit den – bildlich gesprochen- “durchleuchteten” Menschen im Sinne von Datenschutz und Privatsphäre. „Ein Thema was ja gerade in den letzten Jahren durch das Aufkommen von sozialen Medien (Hyves, Facebook, StudiVZ, twitter e.d.), DNA-Datenbanken, Digi-D und dem neu entstandenen “Identitaetsdiebstahlen” recht aktuell ist. Ich finde, dass Hollaender und Deutsche damit total unterschiedlich umgehen. Während die deutschen Privatsphaere sehr, sehr hoch setzten, gehen Hollaender .. nach manchmal zu offen mit ihren privaten Daten um. Rezentes Beispiel ist Google Street View: In Holland hat da kein Hahn nach gekräht, während in Deutschland die zigste Gerichtsverhandlung wegen Verletzung des Datenschutzes läuft und 250000 Haeuser verpixelt wurden. Auf Twitter berichten holländische Politiker was sie gerade essen und Pietje twittert wann genau er in den Urlaub fährt (sehr einbruchssicher ;) ) , waehrend Twitter in Deutschland (meines Erachtens!) fast nur genutzt wird um sachliche Informationen zu teilen. Ähnliches beobachte ich auf Facebook: Deutsche (aus meinem FB Netzwerk) achten da viel mehr auf was genau sie online freigeben und was nicht. Und eine AH bonuskaart in der alle deine Daten und Einkaufe gespeichert werden gäbe es wahrscheinlich auch nicht so schnell in D’land….’ (so lautet das Zitat desjenigen der es geschrieben hat)

In meinem Move um mehr Deutsche kennenzulernen und zu verknüpfen ist es schon vorgekommen, dass mir jemand schrieb: LinkedIn? Xing? Kenn ich. Mach ich aber nichts. Wer garantiert mir denn, dass ich nicht ‚open op straat ligt’. Keine Ahnung? Weiß ich einfach nicht! Vielleicht interessiert es mich auch gar nicht, weil mein Bedarf Deutsche kennen zu lernen und zu verknüpfen ein Mittel gefunden hat: eben dieses Internet. Vor 30 Jahren wäre mir dies Projekt nicht so schnell und einfach gelungen. 

Ihr Deutschen, die ihr das jetzt lest: ist das ein Unterschied zu den Holländern? Und seht ihr das auch so?

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1 Mendian 14 april 2011 at 5:55 PM

Und eine AH bonuskaart in der alle deine Daten und Einkaufe gespeichert werden gäbe es wahrscheinlich auch nicht so schnell in D’land….’ – Eine AH bonuskaart mit Sicherheit nicht, dafuer hat es in Deutschland die Payback Karte sowie viele weitere Kunden-, Mitglieds- oder Clubkarten. Diese sind, im Gegensatz zur anonymen AH bonuskaart, personengebunden, enthalten wie die ‘normale’ AH bonuskaart Daten wie Name, Adresse, Geburtsdatum, Einkaufsort, Gesamtsumme, Artikelnummern usw …

In diesem Punkt sind Deutsche und Hollaender gleich: Wenn es etwas gratis, billiger oder im Ausverkauf (op=op) gibt, ist der Datenschutz vergessen. Gleiches gilt fuer Gewinnspiele und Umfragen …

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2 Tina 15 april 2011 at 9:50 AM

Da hat Mendian wohl recht, wenn es etwas billiger oder umsonst gibt ist der Datenschutz nicht mehr so wichtig. Wenn man bewust mit seinen persönlichen Daten umgeht kann man meiner Meinung nach vieles abschirmen. Man muß seine Profile auf Facebook etc. z.B. nicht für jedermann zugänglich machen. Dei AH Bonuscard kann man, glaube ich, auch relativ anomyn bekommen. Es sei denn man koppelt sie an seine Airmiles Daten.
Ich finde die neuen Medien und Netzwerke jedenfalls gut. Sonst hätten wir nämlich nicht so tolle Möglichkeiten uns auf diese Weise kennenzulernen und auszutauschen :-) !

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3 Alexandra 16 april 2011 at 2:16 PM

Facebook, Youtube, aber auch Twitter, LinkedIn und Xing sind in Deutschland durchaus populär (und nein: Twitter wird hier nicht nur geschäftlich genutzt, ebenso wenig wie Niederländer das Medium nur verwenden, um der Welt kundzutun, was sie gerade einkaufen oder essen …)

Über die Beliebtheit von sozialen Netzwerken in Deutschland gibt dieser Artikel von Robert Basic sehr schön Aufschluss:

http://www.robertbasic.de/2011/04/internettrends-in-d-seit-2004/

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4 Peter 30 oktober 2012 at 12:43 PM

Im Gegensatz zu Deutschland – wo auch schon vieles in die falsche Richtung läuft bezüglich Datenschutz – gehen die Holländer damit deutlich offener um. Bei Geldsummen über 1000€ wird beim abheben gefragt wofür das Geld verwendet wird, beim Eröffnen eines Bankkontos wird nach weitern Konten gefragt, wieviel Geld dort vorhanden ist und woher es kommt/verwendet wird. Das schlimmste ist jedoch, dass dies rechtlich abgesichert ist, die Banken also dazu fast verpflichtet werden diese Daten zu fragen. Zudem wird in Holland alles mit Karte gezahlt. Jeder Einkauf hinterlässt so sichtbar einen abdruck. Generell fragwürdig ist natürlich die Tatsache, dass solange alles gut läuft sich niemand Sorgen macht, sobald aber einige Dinge schief laufen hat der Staat die volle Kontrolle über jedermann und kann sehr schnell den Kontozugriff sperren. Da braucht es nicht mal ein Gerichtsurteil. Da Holländer mitlerweile fast nur noch mit Karte Zahlen sitzten sie im goldenen Käfig. In meinen Augen ist es fahrlässig und schlimm, dass sowas passiert, und es niemand kümmert, wie die Freiheit immer mehr verloren geht…

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5 Claudia van der Velpen 2 november 2012 at 6:19 PM

Danke dir Peter für dieses Beispiel des Unterschiedes zwischen Deutschland und Holland. Ich glaube, dass ich Holland doch mehr anglosachsisch orientiert. ‘Cards’ sind wichtiger als Münzen. Selber merke ich auch, dass ich immer weniger Kleingeld im Beutel habe. Nicht wegen der Krise sondern halt weil ich viel mit Creditcards verrechne.

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