Totensonntag und die Löcher meiner Familiengeschichte

27 november 2017 in Jugenderinnerungen

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Jetzt laufe ich schon den ganzen Morgen mit einer Frage ‘rum. Soll ich sie stellen oder nicht? Auf meinem Blog oder in der LinkedIn Gruppe DeutschNederlanders.

Der Anlass war der Totensonntag. Gestern. Nach Essen zu den Gräbern meiner Eltern sind wir am Samstag gefahren, da wir dann nebenher die Möglichkeit haben, Geschäfte anzugucken und deutsche Lebensmittel einzukaufen. Verkaufsoffener Samstag oder Sonntag gibt es ja nicht so oft in Deutschland. Und außerdem wollte ich Ruhe haben. Den Friedhof und ihre anonymen Gräber besuchen ist noch immer nicht so meine Sache. Das Bedürfnis dorthin zu gehen und dort an der Gräbern meine Gedanken hängen zu lassen habe ich schon. Das ist für mich ein Moment der Konfrontation mit mir selber und meiner Geschichte. Wo komme ich her? Ich weiß, dass ich in Wanne-Eickel geboren bin, aufgewachsen in der Essener Innenstadt und später in Überruhr. Zwei liebe Eltern und einen Bruder und eine Schwester. Den Teil meiner Geschichte kenne ich sehr genau, denke ich mal. Eine Frage bleibt unbeantwortet: Wer sind meine Eltern, wo und wie sind diese aufgewachsen und was haben die so erlebt? Das ist ein ‚zwitserse gatenkaas‘. Ich weiß so wenig. Es wurde auch so gar nicht darüber gesprochen.
Ich weiß, dass meine Mutter einen Großteil ihrer Jugend in Thorn verbracht hat. Angesiedelt worden oder nicht? Auf jeden Fall hat sie dort, als Kind eines Arbeiters, der im Bergbau im Ruhrpott gearbeitet hat, eine sehr glückliche Jugend verbracht. Bis der Moment des Fliehens vor den Russen kam. Meine Mutter war 14 Jahre alt. Eine ängstliche traumatische Zeit, deren Folgen sicher bis ins Heute durchgewirkt haben. (Das denke ich dann als Psychologin. Es ist nun einmal mein Beruf). Diese Gedanken und Ängsten sind gewollt oder ungewollt auf mich übertragen worden. Sie sind zu irrationellen Dingern geworden.
Ein zweiter Anlass ist ein Werbeschreiben eines Travelercoach, der uns seine Reisen nach Polen anbietet. Städte wie Danzig, Warschau, Krakau, Wroclaw. Ich muss schon sagen, die Städte sehen toll aus. Einer Reise sicherlich wert. Ich gucke mir im Atlas an, wo diese Städte genau liegen. Die Weichsel fließt durch Polen. In meinen Gedanken höre ich die Stimme meiner Mutter: wir mussten mit dem Treck über die zugefrorene Weichsel, denn Danzig und der Danziger Busen war weit entfernt‘. Ob es jetzt geschichtsgetreu ist oder nicht. Es geht um die Weichsel und das Zugefrorene.

Jetzt meine Frage: Wessen Eltern sind zum Kriegsende aus Polen geflohen und wer hätte Lust sich mit mir auszutauschen?
Ich würde gerne weniger Löcher in meiner Geschichte haben wollen. Bitte schicke mir ein Mail, wenn du Lust dazu hast. Veilleicht helfen wir uns ja gegenseitig.

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