Gesternmorgen hatte ich eine deutsche Bekannte zu Besuch in meiner Praxis, Villa Plattenberg. Schön gemütlich mit Kaffee und Tee.
Auf einmal dachte ich an die Kekse in der ‚koektrommel’, die bei mir immer auf dem Tisch steht. Geschlossen selbstverständlich und nach Bedarf geöffnet.

In dem Augenblick wo ich die Keksdose öffnete, mussten wir beide schmunzeln. Ja, lassen wir die Keksdose geöffnet stehen oder nicht und bedienen wir uns so oft wie wir wollen aus der Dose. Eine übrigens nicht-holländische Gewohnheit. In Holland gibt es nämlich einen Keks pro Tasse und bei der zweiten Tasse manchmal ein Stückchen Schokolade.
Ich weiß noch genau wie verwundert ich darüber war als ich dies zum ersten Mal mitmachte. In Deutschland ist Kaffee und Kuchen am Nachmittag eine Mahlzeit. Ein Stück Kuchen essen bedeutet für die Gastgeberin fast eine Beleidigung und nur viel Ausreden (ich bin auf Diät, der Arzt hat mir…,.) helfen einem es zu begrenzen.
Genauso gut kann ich den Gesichtsausdruck meines Vaters nicht vergessen bei seinem ersten Besuch an meine (heutigen) Schwiegereltern. Bei Ankunft morgens – nach einer langen Autofahrt aus’m Ruhrgebiet – gab es Kaffee (na ja das überlebt man noch) und einen Keks. Meine Schwiegermutter öffnete die Dose, bot jedem einen Keks an, schloss diese wieder und setzte diese sofort wieder weg. Und die ‚koektrommel’ wurde nicht mehr geöffnet.
Ich sah wie meinem Vater die Spucke im Mund zusammenlief.
Zu Hause fragte er: wieso haben wir nur einen Keks bekommen? Geht es denen finanziell nicht so gut? Und müssen sie sparen?
Ich habe es ihm erklärt.

Und wie handhabe ich es bei mir zu Hause: ‚koektrommel’ staat open und jeder nimmt soviel er will. Außer wenn jemand hiermit eine Mahlzeit einhamstern will, weil das Essen nicht so schmeckte. So nach dem Motto: lieber Kekse wie Spinat!

10 reacties | laat een reactie achter ↓

1 Michael 17 February 2011 at 10:11 PM

Kaffee-Einladungen – ein Minenfeld!

Hallo Claudia, die Story mit der Keksdose ist wieder ein guter Schnappschuß auf die kleinen unerwarteten Unterschiede.

Hier ein weiteres Beispiel:
Eine peinliche Situation kann man als frisch angekommener Deutscher in Holland verursachen mit der Einladung an die anscheinend ganz netten Nachbarn, mit den Worten: “Kommt doch morgen einfach mal auf einen Kaffee rüber!”

Du ahnst schon, was kommt?
Dann stehen nämlich die holländischen Nachbarn vormittags um 10:30 h vor der Tür, während die Hausfrau gerade den Kuchenteig für die Kaffeetafel am Nachmittag ansetzt 🙂

Reply

2 Claudia van der Velpen 18 February 2011 at 7:17 PM

Ja genau das Gleiche ist mir auch schon mal passiert. Da war das Geburtstagkind unterwegs und sass glücklicherweise die Mutter zu Hause mit der ich geklönt habe.

Reply

3 Gunnar 9 March 2011 at 3:59 PM

Hallo,
Ich musste schon sehr schmunzeln beim Lezen der ‘koektrommel” -Geschichte.
Vor 15 Jahren, ich war ganz ‘frisch” in Holland eingetroffen und zu Besuch bei Onkel und Tante meiner Freundin. Es gab Kaffee und dazu einen Keks aus der Keksdose. Nach dem Verteilen wurde diese geöffnet auf den Tisch gestellt. Nachdem ich mein leckeren Keks nach einer guten Weile verspachtelt hatte, wollte ich nochmals in die Keksdose langen und mir einen weiteren Keks angeln. Oh, Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen wie entsetzt die ganzen Leute waren … und mir war es natürlich sehr peinlich.

Wenn ich jetzt Holländer zu uns einlade, dann sage ich immer dabei ob es um deutsche Kaffeezeit (ungefähr 15.30 Uhr) oder um holländische Kaffeezeit (gegen 20.30 Uhr) geht. Die Leute finden das sehr lustig, sind aber jetzt drangewöhnt. Und natürlich bleibt bei uns die Kekstrommel, nach dem Austeilen der ersten Runde Kekse und Gebäck mit der Mitteilung das sich jeder danach bedienen kann, offen auf dem Tisch stehen …

Reply

4 Claudia van der Velpen 9 March 2011 at 4:11 PM

Ja zum Schmunzeln. Und lädts du dann auch so richtig zum deutschen Kaffeetisch ein. Mit mehr als einem Kuchen und jeder so viel wie er will?
Und nehmen die Holländer dann auch Kekse aus der Dose und trauen sie sich nicht.
Ich merke bei mir, dass sie mich dann immer verwundert angucken und schuldbewust sagen ‘die sind aber lekker’ wenn die Leute nach dem ersten Keks noch einen nehmen.

Reply

5 Christjann 16 April 2011 at 8:11 AM

Hi nach Holland, ich bin Deutsche in Frankreich und habe deinen Blog von meiner Freundin (Deutsche in Amsterdam, Hi Suza!) als Tipp bekommen… ist ja spannend! Wieso ist das mit den Keksen so? Einfach, weil es so ist?
Ich hatte in D einen französischen Freund, der war bei einer typisch deutschen Familie zu einem Geburtstag eingeladen und als er spätnachmittags von der Arbeit kam, wurde mit Kaffee und Kuchen oder wahlweise mit Kartoffelsalat und Wuerstchen bewirtet – das hat ihn so durcheinander gebracht, dass alles gleichzeitig moeglich gewesen waere, dass er gar nichts gegessen hat. Ich konnte das damals nicht verstehen, jetzt hier inF schon. Hier ist alles klar geregelt. Ich habe neulich zwei Kindern, die ich betreute, zum Nachtisch Apfelbrei angeboten (das ist KEIN Nachtisch!) und die leckeren Kekse, die ich zum Nachmittagskaffee anbot, waren Fruehstueckskekse, das ging auch nicht… es bleibt anstrengend ;))liebe Gruesse
Christjann

Reply

6 Claudia van der Velpen 19 April 2011 at 4:04 PM

hallo Christjann,

Das mit der Keksdose ist so wie bei Dir in Frankreich. Ja und warum? Keine Ahnung. Nun merk ich schon bei den Jüngeren, dass es nicht mehr so streng ist. Hat vielleicht auch etwas mit dem Wohlstand zu tun.
Viel Spass in Frankreich. Du hast bestimmt andere Erfahrungen. oder?

Reply

7 Bouke 19 April 2011 at 4:36 PM

Hallo Claudia,
Dass hier bleibt auch die lieblingsgeschichte meiner Freundin, wenn sie über ihre erste begegnungen in die Niederlanden erzählt. Ich weiß, als Holländer/Niederländer, unterdessen auch das ich damit punkten kann auf irgendwelche partys oder so. Ich werde mit riesigen, ungläubige augen angeschaut; “das kann doch nicht wahr sein”… usw.
Ich bin aber der meinung dass es hauptsächlich mit der Calvinische sparsamkeit zu tun hat. Bescheiden zu sein, ist einer der wichtigsten tügenden hier in die Niederlanden. Dazu kommt noch, dass etwas schönes und süßes eine art ‘zügellosigkeit’ darstellt, aber vor allem etwas asoziales, als ob du dir mit weniger nicht zufrieden stellen wirst.
Vergleichbar ist auch, zumindest wie ich es kenne, dass man so gut wie NIE das letzte stück, ‘koekje’ oder sonstiges nimmt. Kinder werden schon großgebracht (zumindest, die, die ordentlich erzogen werden) damit, erst zu fragen, ob noch jemand will, aber sicherheitshalber einfach zu lassen.

Reply

8 Claudia van der Velpen 22 April 2011 at 3:04 PM

Na ja, Sparsamkeit und Zügellosigkeit sind natürlich schon schöne Tugenden. Keks nach Keks essen… da wird einem schon mal übel. Und in dieser Zeit, da man eher zu dick ist oder zu viel Zucker ist, könnte diese Tradition eher von Vorteil sein. Und wissend, dass man nur einen Keks essen darf…. dann rechnet man schon mal im Voraus im Essensplan oder nicht.
So Unmengen Kuchen essen wie früher, kann ich jetzt auch nicht mehr. Da konnte ich doch einfach so 10 Stücke essen. Und war es für uns Kinder ab und zu auch ein Wettkampf wer am Meisten essen konnte.

Reply

9 Bouke 19 April 2011 at 4:43 PM

@Gunnar – man merkt daran, wie Holändisch ich noch immer bin, dass ich spontan ein empörtes Gefühl erfahre, wenn du erzählst einfach nochmal in den ‘koektrommel’ gegriffen zu haben. “Das macht man doch nicht”! Lustig ist sowas, wie fest sowas reingeschliffen ist.
Umgekehrt aber habe ich die erfahrung selbst gemacht. Wo ich auf einmal zügellos keckse, torten, kuchen, streuselschnecken (mein ab-so-lut-er favorit!) und was noch mehr essen dürfte, ohne schuldgefühl! Ich hab mich immer so überfressen am anfang, dass ich am abend gar nichts mehr essen konnte. Jetzt komm ich besser damit zu recht, aber ich find es noch immer schwierig, diese Deutsche kaffee&kuchen. Zum glück wird dann abends brot gegessen, aber das ist wieder eine andere geschichte – mittags warm ist mir auch unbekannt. Gott, war der anfang ein Leidesweg…

Reply

10 Piet 24 May 2020 at 3:28 PM

Inderdaad: in Duitsland ‘s middags in minder dan een half uurtje met je collega’s warm zwaar en vettig kantine eten naar binnen proppen. En dan verwachten ze dat je je daarna nog op het werk concentreren kan. Drama. Toch maar snel weer begonnen bammetjes mee te nemen en ‘s avonds zelf te koken.

Reply

Reageer

Vorig artikel:

Volgend artikel:

Vertaal deze pagina naar het Nederlands met Google Translate | Colofon